Sex in Videospielen: Zwischen stereotypischem Pixel-Porno und hochrealistischem Erotik-Genuss

Sex in Videospielen
In modernen Games wie „The Last of Us 2” (r.) wird Sex realistischer dargestellt als bspw. in früheren Spieleklassikern wie „Leisure Suit Larry” (l.). Screenshot: Leisure Suit Larry, The Last of Us 2

Die Darstellung von Sex in Videospielen ist seit jeher ein heikles Thema. Zu unrealistisch, zu stereotypisch und frauenfeindlich – die Kritik an sexuellen Inhalten in Konsolen- und Computerspielen ist vielfältig. In den letzten Jahren wurde jedoch eine Veränderung im Umgang mit Sex und Erotik in der Gaming-Branche spürbar. Wir liefern Einblicke in die Welt der Porno Games.

Pixel, Bugs und mangelnder Realismus: Die Anfänge von Sex in Games

Wer Sexszenen in modernen 3D-Games wie „The Last of Us 2” sieht, wird aus dem Staunen kaum noch herauskommen. Zwar verzichten viele Spiele auf die explizite Darstellung des Geschlechtsaktes, indem der Sex lediglich angedeutet wird, der Grad an Realismus ist dennoch beeindruckend. 

Ausschnitt von Videospiel Leisure Suit Larry
In den ersten Spielen der Sexgame-Reihe „Leisure Suit Larry” ging es noch sehr pixelig zu. Screenshot: Leisure Suit Larry 1

Im Jahr 1981 als das Spiel „Softporn Adventure” erschien, was heute als das erste Sex-Game gilt, war das noch anders. Denn der Klassiker ist ein rein textbasiertes Porno-Spiel ‒ ohne grafische Oberfläche, die sexuellen Handlungen werden nur in Form kurzer Textausschnitte beschrieben.

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Die „Leisure Suit Larry”-Reihe, wovon die ersten sechs Ableger zwischen 1987 und 1993 veröffentlicht wurden, war dann das erste bedeutendere Video-Game, das Sex und Gaming auch visuell verbunden hat. Im Gegensatz zu heutigen Games kann man die erotischen Eskapaden von Protagonist Larry Laffer aufgrund des grafisch limitierten Looks allerdings nur als bewegende Pixel beobachten. Auch Bugs, die dem Ganzen eine unfreiwillig humoristische Note verleihen, gibt es in dem Erotik-Game zuhauf.

Realistischere Spiele mit Sex dank moderner Technik

Das änderte sich jedoch schnell. Als Ende der 90er-Jahre die ersten größeren AAA-Produktionen in 3D auf den Markt kaman, begann so langsam Zeit, in der Sex in Videospielen noch realistischer, fast wie in einem realen Porn-Video dargestellt werden konnte.

Anfangs zwar noch mit Figuren, die aufgrund der damals limitierten Polygon-Grafik so aussahen, als wären sie aus eckigen Legosteinen zusammengesetzt und die nur mit viel Fantasie als echte Menschen erkannt werden konnten. Die technischen Möglichkeiten verbesserten sich jedoch rasant und die Figuren glichen immer mehr realen Menschen.

Gegenwärtig ist die Technik auf einem Stand, dass XXX-Inhalte in Games durch so innovative Erfindungen wie Motion Capture, wo die Bewegungen echter Menschen gescannt und dann auf die Spielfiguren übertragen werden,  immersiver denn je abgebildet werden können.

Warum erotische Videospiele Frauen meist als Sexbomben inszenieren

Technische Limitationen wie 2D statt 3D sind nur ein Grund, warum Sex früher nur sehr vereinzelt in Video-Games vorkam. Darüber hinaus war die Meinung weit verbreitet, dass sich Videospiele an ein eher junges Publikum richten, für die „zu” erotische Inhalte natürlich nicht geeignet gewesen wären. 

Und ohnehin: Die Zielgruppe war diffus, nicht genau definiert. Das änderte sich im Laufe der 90er-Jahre und die Branche machte heterosexuelle Männer als Kernzielgruppe aus. Ab da wusste man genau, wie Spiele Sex darstellen müssen, damit sie dem Gros der Spielerschaft zusagen.

Lara Croft aus Tomb Raider
Lara Croft aus der „Tomb Raider”-Reihe ist ein Beispiel für sexy inszenierte, weibliche Game-Charaktere. Screenshot: Tomb Raider 3

Der Fokus solcher Games lag fortan darauf, Frauen wie in einem Porno zu inszenieren: große Brüste, schlanke Taille und ein hübsches Gesicht. Nina Kiel, Spielejournalistin und Adult-Gaming-Expertin, erklärt in einer Doku des TV-Senders Arte: „Es ist oft so, selbst wenn Frauen beteiligt sind, dass diese Spiele so aussehen, weil eine bestimmte Zielgruppe im Blick ist. Also der heterosexuelle Mann steht – so scheint es – halt nur auf diese Körperform. Das ist ein gängiges Vorurteil.” Die „Tomb Raider”-Reihe mit Protagonistin Lara Croft ist das perfekte Beispiel für diese Art der Inszenierung.

Auch Kratos aus den „God of War”-Spielen wurde nach stereotypen Strickmustern designt. Ein muskulöser Alphamann, der sich durch das antike Griechenland schnetzelt und ein heißes Techtelmechtel mit der sexy Göttin Aphrodite eingeht.

Erotische Computerspiele der letzten Jahre brechen mit Stereotypen

Doch seit einigen Jahren werden diese Stereotype bei der Darstellung von Sex in Video-Games vermehrt aufgebrochen. Das bereits genannte „The Last of Us 2” von Entwickler Naughty Dog steht prototypisch für diese Trendwende.

Das Spiel bricht mit dem Klischee der unterwürfigen Frau, die dem Mann zu Willen zu sein hat. Und auch das Klischee der verletzlichen Jungfrau in Nöten, der sogenannten „Damsel in Distress”, wird in dem Game nicht bedient. Stattdessen handelt es sich bei Hauptheldin Ellie um eine toughe junge Frau, die sich auf einem Rachefeldzug befindet, bei dem sie wenig Empathie und Mitgefühl für ihre Opfer zeigt – bis dato völlig untypisch für das weibliche Geschlecht in Videospielen. Begleitet wird sie von Freundin Dina, mit der sie eine lesbische Beziehung führt, in der beide auch miteinander Sex haben.

An „The Last of Us 2” wird also deutlich, dass sich der Umgang mit dem Thema „Sex” in Videospielen langsam wandelt, da nicht mehr nur die ursprüngliche Kernzielgruppe als Spieler ins Auge gefasst wird, sondern auch Frauen und der gesamte Facettenreichtum an sexuellen Orientierungen.

Laut Nina Kiel ein erster Schritt, aber auch nicht mehr, wie sie in einem Artikel für die Videospiele-Fachzeitschrift Gamepro schreibt. Denn wirklich konsequent sei Naughty Dog bei der Darstellung der queeren Liebe zwischen Ellie und Dina nicht gewesen, da die Sexszene mit den beiden stark zensiert worden sei, im Gegensatz zu einer anderen sehr brutalen Vergewaltigungsszene, die explizit und ohne Zensur gezeigt wurde. 

Warum Gewalt in Adult-Games einfacher dargestellt werden kann als Sex 

Ob in 2D oder 3D, Adult-Games, in denen Gewalt ausgeübt wird, gab es schon immer häufiger als Spiele mit XXX-Inhalten – auch heute noch. Und das, obwohl Entwickler inzwischen deutlich offener sind für Computerspiele mit Sex. 

Sexszene aus Videospiel God of War
Sex-Sequenzen wie in „God of War” lassen sich schwieriger in Games realisieren als Gewalt-Szenen. Screenshot: God of War

Aber woran liegt das, dass es in Spielen oft heißt: Gewalt ja, Sex nein?

Kiel hat dafür eine Erklärung: „Spiele sind traditionsgemäß eher auf Konflikte aus, da die sich ziemlich leicht darstellen lassen. Du kannst leicht zeigen, dass du jemandem auf den Kopf springst oder jemanden trittst oder schlägst. Bei Gefühlen ist das schwieriger, weil die so abstrakt und durch Spielmechaniken kaum darzustellen sind.” 

Was ist so reizvoll an XXX-Games?

Welchen Reiz haben eigentlich XXX-Spiele für Zocker? Warum ist die Nachfrage nach Porno Games so hoch?

Kurze Antwort: Sie bieten den Spielern die Möglichkeit, ihre geheimsten Fantasien und Sehnsüchte interaktiv auszuleben. Auch solche, die in der Realität gar nicht oder nur schwer umsetzbar sind. In RPGs mit Fantasy-Setting handelt es sich dabei beispielsweise um Sex mit nicht-menschlichen Wesen. Ebenso können in Videospielen Sex-Stellungen dargestellt werden, die die Begrenzungen der menschlichen Anatomie normalerweise verhindern. 

Und die Entwickler von Games mit Sex wissen das, weshalb viele Studios bewusst freizügige Szenen in ihr Spiel einbauen. Schließlich gilt: Sex sells.

Allerdings bedeuten Sexszenen auch ein gewisses Risiko. Denn es gibt immer auch potenzielle Käufer, die zu viel Erotik vom Kauf abschrecken. Hier gilt es für die Entwickler das passende Maß zu finden, damit ihr Game erfolgreich wird. Zudem können zu explizite Sexszenen zu Zensur oder einem USK-18-Siegel (Alterseinstufung) führen, was sich wiederum schlecht auf die Verkaufszahlen auswirken kann. 

Porno-Spiele vs. Videospiele mit Sex

Bei den meisten klassischen Games handelt es sich lediglich um Spiele mit sexuellen Elementen und Einzelszenen. Ob in „The Last of Us 2“, „God of War” oder „The Witcher III”, es ist nie die Hauptaufgabe des Spielers, sich in erotische Interaktionen zu begeben. Selbst in „Leisure Suit Larry”, wo sich die Story ziemlich direkt um das Bedürfnis nach Liebe und Intimität dreht, stehen das klassische Adventure-Gameplay und die Erforschung der Welt unabhängig von den amourösen Aktivitäten des Protagonisten im Vordergrund.

Es gibt jedoch auch sogenannte Porno-Games, in denen Sex der Kernaspekt der Handlung ist. Selbst wenn die Erotik-Szenen in einem solchen Spiel im Rahmen einer Story stattfinden, läuft in einem Sex-Simulator letztlich alles nur auf das Eine hinaus.

Sex im Game Heavy Rain
Im Game „Heavy Rain” kann der Spieler interaktiv die Sex-Sequenz steuern. Screenshot: Heavy Rain

Das, was die Charaktere eines 2D- oder 3D-Porn-Games tun, tun sie also nur, um Sex miteinander haben zu können. Und der Sex wird dann auch nicht verpixelt dargestellt oder nur kurz angedeutet, wie man es aus den meisten Mainstream-Games kennt, sondern ist explizit mit allen Details zu sehen. Oft lässt sich auch der Liebesakt interaktiv mitgestalten – ein prominentes Beispiel dafür ist „Heavy Rain”. Dort erhält der Spieler die Möglichkeit, in einer Sequenz den Sex durch Quicktime-Events zu steuern. 

Viele der Porn-Spiele sind im japanischen Hentai-Stil designt. Manch ein Porno-Simulator hat jedoch auch einen realistischen Look. Außerdem handelt es sich bei dieser Art von 2D- oder 3D-Games oft um Sex-Spiele, die nur online per Browser spielbar sind.

Text: Thomas

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