Gefährliche Verführung: So skrupellos sind Loverboys!

Loverboy beutet sein Opfer aus
Loverboys verfolgen eine skrupellose Masche, um ihre Opfer auszubeuten. Foto: tverdohlib - 123RF.com

Verführt, betrogen, zur Prostitution gezwungen: Was nach einem Krimi klingt, ist für Opfer von Loverboys bittere Realität. Mit der Loverboy-Masche ködern Männer oftmals sehr junge Frauen, damit sie für sie anschaffen gehen – das Geld bekommen die Täter. Die Opfer bleiben mit gebrochenem Herzen und traumatisiert zurück, wenn sie es aus dem Milieu herausschaffen.  

Aber wie funktioniert die skrupellose Methode der Loverboys, was haben Opfer erlebt und wie erkennt man einen Loverboy? Wir haben die Fakten.

Was ist ein Loverboy?

So harmlos der Begriff klingt, so perfide und skrupellos ist die Bedeutung von Loverboy. Ein Loverboy ist ein Krimineller, der eine manipulative Taktik anwendet, um junge Frauen in die Prostitution zu zwingen. Die Methode beinhaltet oft eine scheinbare Liebesbeziehung, bei der der Täter vorgibt, sich in sein Opfer zu verlieben und eine romantische Beziehung mit ihr zu führen. Der Loverboy gewinnt das Vertrauen seines Opfers und manipuliert es dann emotional und psychisch. 

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Loverboys nutzen oft Druck, Erpressung, Drohungen oder Gewalt, um das Opfer zur Prostitution zu nötigen. Die Frauen werden dann in die Sexindustrie gezwungen und die Einnahmen fließen in der Regel direkt an den Täter. Die Masche ist eine Form von Menschenhandel und sexueller Ausbeutung. 

Wie funktioniert die Loverboy-Masche?

Die Loverboy-Falle läuft immer ähnlich ab. Der Täter, oft ein junger Mann, sucht gezielt nach verfügbaren und leicht beeinflussbaren Frauen oder Teenagern. Das kann in der Schule, auf der Straße, in Sozialen Medien oder in anderen Umgebungen passieren. 

Loverboy verschweigt Frau seine wahren Absichten
Loverboys sind zunächst nicht als Zuhälter erkennbar, sondern wirken erstmal charismatisch und charmant. Foto: djedzura – 123RF.com

Loverboys sind auf den ersten Blick nicht als Zuhälter erkennbar – ganz im Gegenteil. Der Täter setzt charismatisches und charmantes Auftreten ein, um das Vertrauen der jungen Frauen zu gewinnen. 

Lovebombing, Isolation und Kontrolle: Loverboy-Fälle ähneln sich

Er betreibt Lovebombing und überhäuft sie mit Geschenken, Aufmerksamkeit und emotionaler Unterstützung. Das Opfer fühlt sich geliebt und umsorgt, so wie Loverboy-Opfer Jule im Interview mit „Das Erste“ erzählt: „Was mich so fasziniert hat, war, dass er sich so präsentiert hat, als ob er Mister Right wäre. Also der Mann, den man hätte haben müssen, wenn man seine Kinder gut erziehen möchte, wenn man die perfekte Beziehung haben möchte […]“ 

Sind die jungen Frauen den Tätern auf allen Ebenen verfallen, isolieren die Loverboys sie von ihrem sozialen Umfeld, wie die CDU-Landtagsabgeordnete Anja Wagner-Scheid gegenüber Bild bestätigt: „Loverboys spielen Mädchen und jungen Frauen die große Liebe vor. Stattdessen nutzen sie sie aus, binden sie emotional an sich, indem sie sie von ihren Freundinnen und Freunden und ihrer Familie isolieren und zwingen sie zum Beispiel zur Prostitution.“  

Der Loverboy behauptet, dass er die einzige Person sei, die sich um sie kümmert und die sie liebt. Die Täter nutzen emotionale Manipulation und physische Gewalt, um ihre Opfer zu kontrollieren. So zwingen sie die jungen Frauen nicht nur zur Prostitution, sondern auch zu anderen illegalen Aktivitäten, um Geld für sie zu verdienen. Das Opfer fühlt sich gefangen und hat Angst vor den Konsequenzen, wenn es sich widersetzt. 

Sexuelle Ausbeutung als Liebesbeweis an den Loverboy

Alina Prophet vom Loverboy-Projekt der Diakonie Hamburg beschreibt im Brigitte-Interview, mit welchen skrupellosen Manipulationen Täter vorgehen. Nachdem sie die Frauen monatelang an sich gebunden haben, kommt es zum ersten Bruch der trügerischen Idylle: „Ich habe Schulden, ich habe mich mit dem Falschen angelegt, wir sind in Gefahr, ich habe Probleme. Dann kommt er irgendwann auf die Idee: Wenn du einmal mit wem schlafen würdest, wären meine Schulden weg. Mit dem Versprechen: Danach ist alles wieder gut.“ Gut wird für die Opfer nichts, denn allein die Täter profitieren finanziell von den Einnahmen, während sie weiter emotionale und physische Kontrolle ausüben. 

Frau wird Opfer von Loverboy Masche
Loverboys bringen ihre Opfer dazu, sich zu prostituieren. Foto: tverdohlib – 123RF.com

Die jungen Frauen geraten in eine Spirale aus Abhängigkeit und Ausbeutung. Ihre Loverboys schrecken vor nichts zurück, um sie unter Druck zu setzen. So erzählt Opfer Jule von ihren Erfahrungen im Interview mit „Das Erste”: „Er hat mich immer daran erinnert, dass wir bald eine Familie haben werden und dass das unser Ziel wäre. Dafür tun wir das.“ Klappt diese Masche nicht, erpressen Loverboys die Frauen, wie Etta Hallenga von der Frauenberatungsstelle Düsseldorf in „Das Erste“ weiß: „‚Wenn du von mir weg gehst, dann erzähle ich das weiter, ich setze Bilder ins Netz.' Das Andere ist: ‚Ich werde das deiner Familie erzählen. Sollen die mitkriegen, was du für eine bist?'“. Diese Methode ist oftmals erfolgreich.

Opfer von Loverboys: Es kann jede treffen

Jedes Mädchen und jede Frau kann Opfer eines Loverboys werden. Lange dachte man, dass es nur naive Mädchen aus Brennpunkt-Familien trifft. Die Realität sieht anders aus, denn Opfer können aus jeder Familie, jeder sozialen Schicht und jeder Nationalität stammen – von der Hauptschule bis zum Gymnasium. 

Eine Sache haben Teenager in dem Alter meist gemeinsam, wie die ehemalige Kriminalhauptkommissarin Bärbel Kannemann gegenüber Deutschlandfunk bestätigt: „Es gibt viele Foren, auf denen gerade ganz junge Mädchen Kontakte suchen, und manchmal weist ja schon der Name der Foren darauf hin, was die Mädchen suchen. Ein Beispiel: knuddel.de: Da, denke ich, weiß jeder Mann, was das Mädchen sucht, Geborgenheit, Zärtlichkeit.“ Genau die bekommen sie von den Zuhältern – zumindest vorgespielt.

Die Täter suchen oft gezielt nach jungen Frauen, die sich selbst als unattraktiv und unauffällig wahrnehmen und ein geringes Selbstwertgefühl haben – sie sind leichte Beute für Loverboys. Mädchen, die sich in Lebenskrisen befinden, sich unverstanden fühlen oder mit finanziellen Problemen zu kämpfen haben, sind beeindruckt vom (gefakten) High Class Lifestyle der Loverboys. In seltenen Fällen werden auch junge Männer Opfer ähnlicher Maschen. Weniger bekannt ist das Phänomen von Lovergirls. So werden Mädchen bezeichnet, die selbst für Loverboys arbeiten und andere junge Frauen für ihn ködern, indem sie sich als ihre Freundin ausgeben. 

Strafen für Loverboys sind die Seltenheit

Loverboys wählen ihr Opfer bewusst, denn diese jungen Frauen trauen sich aus Scham selten, über die Situation mit Familie, Freunden oder der Polizei zu sprechen. Zusätzlich werden sie unter Druck gesetzt, niemandem etwas zu erzählen – bspw. durch Androhung von Gewalt. Kommt es doch zum Prozess, ist die Erfolgsquote nicht besonders hoch, wie Staatsanwalt Stefan Willkomm gegenüber „Das Erste“ bestätigt: „Verfahren im Bereich Menschenhandel haben die höchsten Einstellungs- und Freispruchquoten von allen Deliktsfeldern. Es gibt einen hohen Anteil an Verfahren, die erst gar nicht angeklagt werden können, weil die Beweismittel nicht reichen und somit später auch nicht zu einer Verurteilung führen.“ 

Frau fällt auf Loverboy rein
Viele Opfer werden von ihren Loverboys so unter Druck gesetzt, dass sie sich nicht trauen, gegen sie rechtlich vorzugehen. Foto: sakkmesterke – 123RF.com

Oft ist das Verhältnis von Opfer und Täter so undurchsichtig, dass die Manipulation schwer zu erkennen ist. Meist fliegt die Sache nur auf, weil die Opfer weitere Frauen des Loverboys entdecken oder die Staatsanwaltschaft mehr Betroffene ausfindig machen kann.

Wie kann man Loverboys erkennen?

Loverboys haben oft ein Schema. Die Beziehung läuft anfangs toll und dann kommt es zur Machtausübung und Gewalt. Die sind nicht immer körperlich, sondern größtenteils psychisch und Opfer nehmen diese nicht als Gewalt wahr. Dazu zählen Kontrolle, Eifersucht, Verbote, mit denen die soziale Isolation beginnt. Familie, Freunde und Hobbys werden schlechtgeredet, bis es zum Bruch mit dem sozialen Umfeld kommt. In der toxischen Dynamik gibt es ein klares Machtgefälle: Der Loverboy hat eine starke Persönlichkeit mit charismatischem Charakter und das Opfer ist ihm deutlich unterlegen.

Zu den Red Flags, die hellhörig machen sollten, gehören gewalttätiges Verhalten, Drohungen, Ausgangsverbote, Drogen- und Waffenhandel, Lovebombing mit plötzlichem Liebesentzug, extreme Eifersucht und Dinge einfordern, die die jungen Frauen nicht wollen. Zu guter Letzt sollte bei Kontakten zum Rotlichtmilieu der Groschen fallen. Expertin Alina Prophet rät Eltern, hinzusehen, wenn ihre Töchter einen neuen Freund kennenlernen. Extreme Müdigkeit, ein ständiger Blick aufs Handy, plötzlich kein Vertrauen mehr oder wenn das Mädchen alles andere vernachlässigt, können Anzeichen auf eine Beziehung zu einem Loverboy sein. Besonders wenn diese Dinge dazukommen: „Ein Merkmal kann auch Gewichtsverlust sein oder wenn die Mädchen sich zu Hause nur noch zurückziehen, unter anderem extrem lange duschen. Wenn sie Zeichen von körperlicher Gewalt zeigen, Verletzungen, blaue Flecken. Manche Eltern finden ein zweites Handy, Sextoys, Wäsche, Bargeld – oder teure Klamotten, die sie sich eigentlich nicht leisten können.“ Schulen und Eltern können sich Hilfe bei der Polizei und bei Projekten wie dem Verein „No Loverboys“ suchen.

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